Auf den Spuren unseres Hauses

Die Geschichte unseres Hauses, das 1910 fertig wurde, hat uns schon immer interessiert. Wie sah es mal aus, und welche Geschichten gibt es dazu?

Entwurf zu einem Wohnhause

Entwurf zu einem Wohnhause

Aus alten Plänen wussten wir, dass unser Haus einmal besonders schön ausgesehen hat. Wir wollten mehr wissen. Eigentlich auch über die gesamte Straße, aber hier wäre die Recherche wohl aufwändiger.

Zuerst erkundigten wir uns beim Staatsarchiv. Zu unserem Haus war dort aber nichts zu finden, das wurde bereits am Telefon gecheckt. Also versuchten wir es beim Bauamt. Und wurden fündig. Die Akteneinsicht kostet 40,00 €, und wenn man die Daten mitnehmen möchte nochmal 8,00 € für den USB-Stick. Ob die Daten interessant genug sind, das kann man vor Ort am Rechner einsehen. Voraussetzung ist der Nachweis, dass man wirklich Eigentümer ist. Leider gab es nicht viele Ergebnisse.

Unser schönes rotes HausDer Plan oben lag uns bereits durch den Hauskauf vor. War das nicht ein toller Wintergarten? Mit Kupferdach, etwas ganz Besonderes. Und Fensterläden gab es, wie hübsch.

Gebaut wurde das Haus für 3 Familien, schon bei unserem Kauf war es für 2 Wohneinheiten umgebaut. Es handelt sich also von Anfang an um ein Mehrfamilienhaus mit Mietwohnungen, und nicht um ein typisches Bremer Haus.

Es wäre uns zu teuer, den ursprünglichen Stand wieder herzustellen, besonders in Bezug auf Fenster und Wintergarten. Schade. Ebenso schade wie die Tatsache, dass wir zwar alte Bemalungen der Wände fanden, immer schön dunkel, aber es sich nicht lohnte die Fragmente zu erhalten. Der Bauantrag wurde 1908 gestellt, bezugsfertig war das Haus 1910. Wahrscheinlich wurde der Wintergarten im Krieg beschädigt, jedenfalls war er zeitweise weg, es gab Wasserschäden die noch bis vor Kurzem sichtbar war. Den Raum hat Olaf gerade renoviert, nun sind die Schmodder-Spuren weg. 1994 wurde der heutige Wintergarten gebaut.

Neu war uns, dass der Bauherr gleich vier Häuser nebeneinander bauen ließ. Das bedeutet, dass die Gebäude daneben, die dem Krieg zum Opfer gefallen sind, ebenso schön ausgesehen haben müssen. Tja, erst der Krieg, und dann die 1960er Jahre haben so viel zerstört, es ist zum Heulen. Und nun zerstören viele die letzten alten Fassaden, mit Wärmedämmung.

Situations-Plan

Situations-Plan

Gleich an der Ecke Buntentorsteinweg gab es zudem ein Polizeibüro, das war uns neu. Übrigens sind die ganzen alten Unterlagen von der Polizeidirektion, Abteilung Baupolizei. Irgendwie komisch. Da braucht man die Polizei schon, bevor etwas passiert ist.

Bauantrag betr. SpültoilettanlageSeit 1903 wurde der Einbau von Spültoiletten bei Neubauten Pflicht. Vorher wurden die Hinterlassenschaften abgeholt und zur Poudrette Anstalt gebracht, also zu Dünger verarbeitet. Hierzu gab es einen separaten Bauantrag, über den sich der Herr im Bauamt amüsierte. Das ist aber ein ganz wesentliches Thema für die Städte der damaligen Zeit gewesen. Jede Wohnung hatte ein eigenes Klo, das war Luxus!

Bemängelt wurde lediglich das zu tief eingebaute Waschbecken im Souterrain. Wegen des fehlenden Rückstaus, noch heute ein aktuelles Thema. Das Waschbecken haben wir immer noch, ist aber nicht mehr in Funktion. Hm, vielleicht braucht die Bauteilbörse das gute abgebaute Stück aus Stein.

Was uns überraschte, das war eine seitenlange Akte aus dem Jahr 1961. Noch böser als das nicht ordnungsgemäß angebrachte Waschbecken war hier das Fehlen einer Hausnummer. Wer damit alles beschäftigt war, das ist enorm. Die liebe Bürokratie. Es musste eine Hausnummer mit schwarzer Schrift auf weißem Grund sein, unsere heutige hat weiße Schrift auf schwarzem Grund. Ob wir dafür auch von der Polizei abgemahnt werden? Und zu welcher Tatzeit sie die falsche Farbe wohl bemerkt?

Ordnungswidrigkeit - fehlende Hausnummer

Ordnungswidrigkeit – fehlende Hausnummer

Auch wenn wir nicht allzu viel gefunden haben, spannend ist es allemal, so etwas zu recherchieren. Nun müssen wir nur noch die handschriftliche altdeutsche Schrift entziffern, und mehr zu erfahren. Das braucht Zeit.

Wenn jemand Material, am liebsten Fotos, aus der Möckernstraßen-Geschichte hat, würden wir uns sehr darüber freuen!

 

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